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Datum
23.08.2006
Neue Schadenpotentialstudie

(Mitteilung vom 23.8.2006)

Das Rekordhochwasser 2005 mit einer totalen Schadensumme von 308,6 Millionen Franken hat die Gebäudeversicherung Bern (GVB) dazu bewogen, das Schadenpotenzial im Bereich Überschwemmungen kantonsweit neu zu beurteilen. Nun liegen die Ergebnisse der aktualisierten Studie  vor. Fazit: Die mögliche Gesamtschadensumme an Gebäuden eines neu definierten Extremszenarios infolge einer Überschwemmung liegt bei rund 700 Millionen Franken. Die Analyse der GVB zeigt weiter: Nebst der Versicherungswirtschaft sind künftig auch die Hauseigentümer sowie die öffentliche Hand vermehrt gefordert.

Ziemlich genau ein Jahr ist es her: Insgesamt 6432 Gebäude beschädigte das Rekordhochwasser 2005 im Kanton Bern. Die Schadensumme belief sich auf ein Total von 308,6 Millionen Franken und war somit hauptverantwortlich dafür, dass die GVB im Geschäftsjahr 2005 eine totale Schadenlast aus Elementar- und Feuerschadenereignissen von 389,2 Millionen Franken zu bewältigen hatte. Dank getätigten Rückstellungen und ausreichenden Reserven sowie dem effizienten Rückversicherungssystem und dem interkantonalen Solidaritätsfond der 19 kantonalen Gebäudeversicherungen konnte diese Rekordschadensumme erfolgreich und ohne eine Prämienerhöhung verkraftet werden. Da die Schadensumme infolge des Rekordhochwassers 2005 nahe an den in einer Schadenpotenzialstudie aus dem Jahr 2001 errechneten Maximalwert für ein Einzelereignis heranreicht, ist die Studie nun aktualisiert worden.

 

Zunehmende Schäden haben die GVB bereits im Jahr 1999 veranlasst, das Schadenpotenzial infolge von Naturkatastrophen untersuchen zu lassen. Die vom Rückversicherer Swiss Re geleitete, beim Geowissenschaftlichen Büro geo7 von der GVB in Auftrag gegebene und in Zusammenarbeit mit Spezialisten der ETH Zürich erarbeitet Studie hatte unter anderem die Abschätzung von Gebäudeschäden durch Überflutungs- und Übersarungsprozesse zum Ziel. Die wegweisende und auf Simulationsmodellen basierende Studie definierte mehrere mögliche Szenarien für verschiedene Einzelregionen. Ein Extremszenario – ein möglicher Höchstschaden mit einer Wiederkehrperiode von mehr als 100 Jahren – wurde auf 300 bis 350 Millionen Franken veranschlagt.

 

Bis zum Jahr 2004 lagen die Schadenfälle im Rahmen der in der Studie aus dem Jahr 2001 berechneten Szenarien. Erst das Hochwasser 2005 sprengte alle Grenzen und erreichte mit der Schadensumme von 308,6 Millionen Franken den im Jahr 2001 berechneten absoluten Maximalwert. Die Autoren der Studie waren von möglichen Überschwemmungen mit einer Flächenausdehnung von einigen 100 Quadratkilometern ausgegangen. Beim Hochwasser 2005 wurde jedoch eine Gesamtfläche von rund 2000 Quadratkilometern – rund ein Drittel der Kantonsfläche – in Mitleidenschaft gezogen.  Bei der Ereignisdauer war mit einem eintägigen Starkniederschlag, der in Gebirgsflüssen zu Überschwemmungen und Übersarungen führt oder mit einem Schneeschmelzhochwasser, das vor allem entlang der Seen und der Aare Überschwemmungsschäden verursacht, gerechnet worden. Das Hochwasser 2005 wurde jedoch von einer zwei- bis dreitätigen stationären Niederschlagszone ausgelöst.

 

Für die Neubeurteilung wurde die GVB-Datenbank mit den beim Kanton vorhandenen Grundstückdaten abgeglichen. Mit Hilfe aufwändiger Datenbankanalysen konnten 86 Prozent der Gebäude und Grundstücke mit X/Y-Koordinaten räumlich referenziert werden. Diese Daten und Erkenntnisse aus dem Ereignis 2005 erlaubten es den Autoren der Studie, ein neues Extremszenario zu berechnen. Dieses geht von einer Wetterlage wie im August 2005 aus, nimmt aber eine noch grössere räumliche Ausdehnung gegen Westen und Norden hin und eine längere Dauer an. Die neu berechnete Maximalschadensumme wurde markant nach oben verschoben und beläuft sich auf rund 700 Millionen Franken.

 

Die aktualisierte Studie zeigt, dass auch in Zukunft mit grossen bis extremen Schäden gerechnet werden muss. Die GVB haftet für Elementarschäden unbeschränkt und muss daher auch für derartige Naturkatastrophen gerüstet sein. Zurzeit sind trotz des steigenden Risikos keine Prämien- und Selbstbehalterhöhungen vorgesehen. Die GVB setzt auf folgende Schwerpunktmassnahmen, um der wachsenden Gefährdung effizient zu begegnen: Mit der Gründung einer Präventionsstiftung und dem Herausgeben von Richtlinien für die Prävention gegen Elementarschäden sind bereits neue und effiziente Massnahmen ergriffen worden. Mit dem Frühwarnsystem «Wetteralarm» setzte die GVB Massstäbe für die gesamte Schweiz. Die GVB ist zudem gefordert, ihre Kapitalbasis weiter zu stärken und die Erträge aus den Finanzanlagen zu optimieren. Auch das Rückversicherungssystem muss den veränderten Rahmenbedingungen Rechnung tragen.

 

Die neue Risikobeurteilung macht klar: Neben der Versicherungswirtschaft und den Hauseigentümern ist auch die öffentliche Hand nun vermehrt gefordert: Seit dem Jahre 1999, als ebenfalls grosse Überschwemmungsschäden zu beklagen waren, wurde vonseiten der öffentlichen Hand im Bereich Hochwasserprävention eindeutig zu wenig unternommen. Mit der aktuellen Schadenpotenzialstudie liegen nun objektive Grundlagen vor, die auf die Priorität von effizienten Wasserbaumassnahmen hinweisen. Die GVB erwartet eine schnellere, effizientere und unbürokratischere Realisierung der anstehenden Vorhaben und dass in Zukunft hierfür mehr finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden.

 

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