Die Gebäudeversicherung Bern (GVB) zieht Fazit über das Ausmass der Schäden in der ersten Jahreshälfte. Allein der heftige Hagelzug vom 23. Juli 2009 verursacht im Kanton Bern eine Schadensumme von 60 Millionen Franken mit rund 15'000 beschädigten Gebäuden. Das entspricht der Anzahl Gebäudeschäden eines durchschnittlichen Schadenjahrs.
Das Jahr 2009 steht wettermässig unter einem schlechten Stern: Bereits in der ersten Jahreshälfte gingen bei der GVB Schäden von insgesamt mehr als 100 Millionen Franken ein. Besonders hoch fallen die Schäden des breiten Hagelzugs über dem Berner Mittelland vom 23. Juli 2009 aus. Entgegen der ersten Schätzung von gut 30 Millionen verdoppelt sich die Schadensumme dieses Elementarereignisses auf rund 60 Millionen Franken. Die Hausbesitzer im Kanton Bern meldeten rund 15'000 Gebäudeschäden. «Das Ausmass ist erst jetzt messbar: Durch den halbstündigen Hagel kamen so viele Gebäude zu Schaden wie sonst durchschnittlich in einem ganzen Jahr», sagt Ueli Winzenried, Vorsitzender der Geschäftsleitung GVB. «Der Hagelzug war ungewohnt heftig. Es ist das grösste Hagelereignis in der Geschichte der GVB. Die Spuren der Verwüstung fallen dramatisch aus.»
Hoher Aufwand für die GVB
Die GVB hat den hohen administrativen Aufwand, der ein solches Massenereignis auslöst, mit der Unterstützung von Temporärfachkräften und pensionierten Mitarbeitenden aufgefangen. Die Schätzungsexperten sind pausenlos im Einsatz. Dennoch bittet die GVB die Kunden um Verständnis dafür, dass wegen den enorm hohen Schadenaufkommen Zeitverzögerungen auftreten können.
Klimawandel gravierend für Kanton Bern
Winzenried sieht dunkle Wolken am Horizont: «Wir müssen leider auch in Zukunft mit häufigeren und heftigeren Extremereignissen rechnen.» Der Kanton Bern wird aufgrund seiner Lage besonders von den Auswirkungen des Klimawandels in Mitleidenschaft gezogen. «Wir haben im Jungfraugebiet die höchsten Niederschlagsmengen innerhalb ganz Europas. Dazu kommen ausgeprägte Höhenunterschiede: Das starke Gefälle von der Jungfrau auf 4'158 m. ü. M nach Interlaken auf 568 m ist extrem.» Das grösste Gefahrenpotenzial sieht die GVB bei einer Überschwemmung. «Die Überschwemmungsgefahr und die Massenbewegungen liegen im Kanton Bern deutlich höher als anderswo», so Winzenried. Die Schadenpotenzialstudie der GVB aus dem Jahr 2001 wurde bereits im 2005 überholt, indem die Experten die mögliche Schadenlast an Gebäuden verdoppelten. Grund für das um 100 Prozent erhöhte Schadenpotenzial sind die Erkenntnisse aus dem Hochwasser 2005. Ein Einzelereignis Hochwasser kann gemäss Studie im Kanton Bern Gebäudeschäden von 700 Millionen Franken auslösen.
Prämienerhöhung nötig?
Der Trend zu deutlich mehr Überflutungsereignissen ist da. Die Unwetter der Vergangenheit zeigen, dass die Kosten pro Jahrzehnt um rund 50 Prozent und somit überproportional steigen (siehe Grafik). Zwischen 1991 und 2000 beliefen sich die Kosten durch Elementarschäden auf 570 Millionen Franken. Von 2001 bis 2009 (Stand heute) sind bereits Kosten von 850 Millionen Franken aufgelaufen. Von 2011 bis 2020 liegt die Schätzung bei 1'400 Millionen. «Die Stabilität der Prämien, die über Jahrzehnte vorteilhaft für die Hauseigentümer war, scheint in Zukunft gefährdet zu sein», zieht Winzenried Bilanz.
Engagement in der Prävention
Die GVB engagiert sich gegen die Auswirkungen des Klimawandels. Einerseits mit Objektschutzmassnahmen: Die GVB-Spezialisten unterstützen Hauseigentümer mit Objektschutzberatungen oder mit Beiträgen der Bernischen Stiftung zur Prävention von Gebäudeschäden. Auch der Wetter-Alarm ist ein einfaches und kostenloses Mittel, um das eigene Haus vor nahendem Unwetter zu schützen. «Denn oft lassen sich – mit kleinen Schutzmassnahmen – grosse Schäden verhindern oder zumindest mindern», betont Winzenried. Anderseits macht sich die GVB auch stark für die Sensibilisierung der Öffentlichkeit und Politik zum Thema Klimawandel. Beispielsweise ist sie Initiantin und Trägerin des Nationalen Klimaforums, das am 10. September 2009 zum dritten Mal in Thun durchgeführt wird. Zurzeit läuft die Eisblockwette auf dem Berner Waisenhausplatz und auf verschiedenen Gletschern im Berner Oberland, ein weiteres Engagement der GVB.